Steinkohle
Seinen letzten Aufschwung erlebte der Ruhrbergbau während des Wirtschaftswunders in Westdeutschland (BRD) in den 1950er-Jahren. Allein während dieser Expansions-Phase wurden 50 neue Tagesschächte angelegt.
Noch 1957 arbeiteten an der Ruhr über 600.000 Bergleute. Bald aber machte sich eine neue Entwicklung bemerkbar: Auch in anderen Teilen der Welt waren inzwischen viele neue Bergwerke entstanden, etwa in China, Osteuropa, der Sowjetunion und den USA. Dort wurde Steinkohle sehr viel günstiger abgebaut. Sie war nun weltweit verfügbar, da die Kosten für den Schiffstransport sanken.
Diese billige Importkohle und auch Erdöl verkauften sich in der Bundesrepublik von 1958 an besser als die heimische Steinkohle, die noch dazu aufwändig in größeren Tiefen gewonnen werden musste. Zum Vergleich: In der Bundesrepublik wurde 1960 durchschnittlich in 644 Metern Tiefe gebohrt, in den USA dagegen oft nur in 100 Metern Tiefe.
Der Niedergang der deutschen Kohle
Die Kohlekrise kam 1958 völlig unerwartet, und damit begann im Ruhrgebiet das Zechensterben. Bundesweit wurden innerhalb von nur zehn Jahren 78 Schachtanlagen geschlossen, die Zahl der Beschäftigten halbierte sich von 505.000 (1960) auf nur noch rund 242.000 (1970).
Staat und Wirtschaft reagierten mit einer kurzfristigen Krisenpolitik zur Erhaltung der bestehenden Strukturen und zur sozialen Abfederung der entlassenen oder kurzarbeitenden Bergleute. Allerdings boomte in den 1960er-Jahren die deutsche Wirtschaft, und viele Bergleute kamen damals noch in anderen Berufen unter.
Während der Steinkohle-Bergbau weltweit zwischen 1970 und 1985 die stärksten Zuwachsraten verzeichnete, rutschte der westeuropäische Bergbau immer tiefer in die Krise. An diesem Trend änderte sich seit Ende der 1950er-Jahre nichts mehr.
So sank die Zahl der in deutschen Bergwerken beschäftigten Arbeiter auf 134.000 (1990) und schließlich auf nur noch 69.000 (1999). Ende 2002 gab es in ganz Deutschland nur noch zehn Steinkohle-Bergwerke (1957: 153), davon sieben im Ruhrgebiet, eines bei Ibbenbüren im nördlichen Münsterland und zwei im Saarland.
An einer Erkenntnis führt seit 1970 kein Weg vorbei: Deutsche Steinkohle war und ist wegen der hohen Kosten auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig. Deswegen wurde sie jahrzehntelang subventioniert, begleitet von der erregten politischen Debatte, ob das angesichts leerer öffentlicher Kassen zu verantworten sei.
Nach den NRW-Landtagswahlen 2005 entschied sich die Landesregierung von CDU und FDP, die Subventionen weiter zu drosseln. Ende 2007 trat dann ein Gesetz in Kraft, das einen Ausstieg aus dem subventionierten Steinkohlebergbau bis zum Jahr 2018 festlegte.